28 Mai 2024

Zum ersten Mal: Katzensitting

Twix

 
Bounty

 "Ich hab keine Ahnung von Katzen," war meine Antwort auf die Frage ob ich auch Katzen sitten würde. Das sei nicht notwendig. Man brauche nur Futter hinstellen, Katzenklo saubermachen und evt ein bisschen dort bleiben, damit sie nicht völlig alleine wären. Gesagt getan.

Vom 26. Mai mittags bis 28. Mai abends habe ich zwei hübsche Katzenkerle versorgt: Twix und Bounty. Wohnhaft in der Nachbarschaft, zufuß ein Katzensprung.

Man braucht nur Futter hinstellen und Katzenklo saubermachen:
Morgens und mittags hab ich auch nicht mehr gemacht, als genau das. Ich hatte ja keine Ahnung, wie viel Katzen pinkeln und wie das stinkt. Morgens, noch nüchtern, meinte mein Magen, er müsse sich umstülpen. "Wag es ja nicht," zürnte der Kopf und gab Befehl an die Atmung: "Nur durch den Mund!" Dann gings.

Am Abend bin ich immer ein bisschen länger geblieben. Am ersten Abend allerdings nicht, weil mich die Burschen total ignoriert haben. Da bin ich dann gegangen. Am 2. Abend hab ich mir zu zeichnen mitgenommen. Da kam Twix dann neugierig gucken, was alles auf dem Tisch lag und setze sich dann neben mein Skizzenbuch. 



 
"Katzen mögen, wenn man ihnen vorliest," war der Tip einer Freundin. Das hab ich nach dem Zeichnen versucht. Gedichte gelesen, mit ruhiger Stimme. Dabei habe ich festgestellt, dass das viel mehr spaß macht, als sie still zu lesen. Hab ich ungefähr eine Stunde gelesen am 2. Abend, das hat ihnen aber nicht imponiert. Dann wollte ich gehen, aber die beiden sind laut maunzend um mich rumgelaufen. Die Näpfe waren leer. Ich wusste nicht, was sie wollten. Konnte eigentlich nur Hunger sein. Hab ich also noch was in die Näpfchen gemacht und sie haben sich drauf gestürzt, als hätten sie den ganz Tag nichts bekommen.

3. Abend. Verlief eigentlich wie der Zweite. Mit Zeichnen und Vorlesen. Aber diesmal kam Twix zu mir aufs Sofa und hat mit geschlossenen Augen zugehört. Twix ist der Schmusigere. Aber auch er brauchte seine Zeit, um festzustellen, dass man mich mögen kann. Bounty war alle Tage wesentlich reservierter.
Aber beide bekamen abens ihre verrückten 5 Minuten und rasten durch die Wohnung und sprangen auf Schränke und den Katzenbaum.

Als ich meine Sachen in den Rucksack packte, kamen sie aber beide. Bounty auf den Stuhl, Twix auf den Tisch. Bounty ließ sich auf dem Stuhl ein bisschen Streicheln. Twix begann zu schnurren und drückte mir den Kopf ins Gesicht und an den Körper. So haben wir zum Abschied noch ein bisschen geschmust. Zu essen wollten sie an diesem Abend nichts mehr. 

 
So ist also das erste Katzensitting für mein Empfinden sehr gut gelaufen. Darf gerne wiederholt werden. 


12 Mai 2024

Beau: Ich werde schon wieder gesittet

 

Ich scanne den Hof vom Balkon aus.

Nachdem ich neulich die 3-Nächte-Prüfung bestanden habe, dachte ich mir schon, dass das Folgen haben wird. Und richtig: Seit Donnerstagabend bin ich wieder bei der Sitterfrau. Aber ich sag euch was: bei der ist es fast so gut, wie zhuhause!

Am Donnerstagabend ist natürlich nichts spannendes mehr passiert. Ich hab mir einen Liegeplatz gesucht, als Frauchen weg war und bin eigentlich auch schnell eingeschlafen. Wenn da nicht alle die fremden Geräusche wären, die mich immer wieder aufwecken. 

Heute, am Freitagmorgen sind wir früh nach draußen gegangen. Ohne Kaffee, wie damals schon. "Früh" ist nicht ihre Lieblingszeit, aber es war gut, dass wir draußen waren, denn ich hab ganz schnell pinkeln müssen und auch sofort ein Riesenkacka gemacht, das auch schon ziemlich weich war. Den Geruch will ich hier nicht beschreiben, und dass die Frau fast daneben gekotzt hätte, muss eigentlich auch keiner wissen. Ich kanns nicht ändern! Sie auch nicht, wir mussten da durch.

Danach gings dann schnell wieder nach Hause. Wegen ihrem Kaffee und der morgendlichen Internet-Routine. 

Anschließend waren wir im Wald. Es war noch nicht allzu warm und wir hatten eine ruhige Runde, was Hunde angeht. Aber es war spannend. 

Von dem ganzen Quatsch den wir unterwegs machen hat sie keine Bilder, denn sie ist voll mit mir beschäftigt.

Sie will gerne, dass ich mich bei "Mitte" zwischen ihre Beine setze, weil ich bis zum langen Urlaub im Juli lernen  soll mit dem Bus zu fahren. Und da wär es ganz praktisch, wenn ich dann im Bus "Mitte" zwischen ihren Beinen sitzen könnte. Sagt sie. Träumt sie von. Was ich davon mitmache, muss ich mir überlegen. Aber ich mach schon ziemlich viel für ihre Fleischwurst.  "Mitte" hat auch nach einigen Übungen ein bisschen geklappt, aber so wirklich hab ich das noch nicht geschnallt, sagt sie. 

Was ich aber ganz schnell geschnallt habe war "zeig ein' Baum". Das mach ich schon, wenn sie mir auf Leinenlänge einen Baum zeigt. Dann geh ich hin, spring ihn an und hol mir dann bei ihr die Fleischwurst ab. "Wofür braucht man das?" wollte ich wissen. Sie sagt, das hätte nur einen Spaßeffekt. Brauchen würde man das nicht. Aber sie hat Recht: das macht viel Spaß. 

Am "Wackeltisch" war ich auch etwas schüchtern bei der Sache. Das ist ein Tisch mit Bänken auf jeder Seite, aber der ist steinalt und die Tischplatte ist nicht mehr fest. Ich musste drauf springen und dann hat sie mit der Platte gewackelt. Das fand ich unheimlich und hab gesagt: "Das braucht man eigentlich auch nicht" und bin wieder runtergesprungen. Aber sie meint, das würde das Selbstbewusstsein fördern und mutig machen. Wenn wir dort wieder vorbei kommen, würden wir das wieder versuchen. Damit ich ein mutiger Hund werde. 

Als nächstes kam ein Bach mit sauberem Wasser. Da war sie heilfroh, dass ich endlich mit dem ganzen Maul ins Wasser gebissen habe, weil ich seit Donnerstag abend wieder nichts getrunken habe. 

Beim Kombibad durfte ich wieder "fliegen". Das hab ich auch verstanden und das macht auch doll Spaß. Nur das Umdrehen auf dem Stein um wieder zurückzufliegen, das muss ich noch üben. Aber ich fliege jetzt schon zwei Steine weiter. Die Reihe mit Steinen ist lang! Sie sagt, ihr BamBam hätte die alle geschafft. Boah, ich werd ihr noch zeigen, dass ich das auch kann.

Und die Sitterfrau ist immer so begeistert und findet mich so toll, dass sie bei allem was ich richtig mache anfängt zu jubeln. 

Wieder zuhause nimmt sie plötzlich einen Müllsack, geht raus und ist weg. Huch? Das hat sie ja noch nie gemacht. Hoffentlich kommt sie wieder. Ja, kam sie. Ganz schnell war sie wieder da und ich bin zu ihr hin und hab gesagt, dass ich jetzt doch ein kleines bisschen erleichtert und froh wär. 

Der restliche Tag verging mit kurzen Gassigängen in der Siedlung und ich durfte noch einen Eierkarton zerreißen und die restliche Fleischwurst darin aufessen. 

Bin gespannt, was morgen passiert.

Der Samstagvormittag war ganz schön spannend und ein bisschen komisch. 

In aller Frühe musste sie heute schon wieder fast kotzen. Nein, nicht wegen meinem Kacka. Als wir nach dem Frühgassi nach Hause gekommen sind, hat sie Blut auf dem Fußboden gefunden. Nur eine kleine Stelle vor meinem Liegeplatz unter dem Tisch. Nichts verteilt in der Wohnung und nur kleine Flecken. Hat sie die Brille aufgesetzt und gesehen, dass ich eine Zecke ermordet hatte. Eine vollgesoffene Zecke.  Ja, ich hab die zerbissen. Das Blut hat mir aber nicht geschmeckt. Das fand sie zum Erbrechen komisch. Aber was solls, sie musste das weg machen. Konnte ich ja nicht wissen, dass sie das so eklig findet. 

Auf dem Weg in den Wald.

 

Der Vormittag im Wald war auch wieder spannend. Ich fange an zu begreifen, dass sie es toll findet, wenn ich andere Hunde einfach an mir vorbei gehen lasse. Das fällt mir schwer, wenn ich selbst auch an denen vorbei gehen muss. Also so einer einfach am anderen vorbeigehen, das ist schwer. Was gut funktioniert ist, wenn sie mich angesichts eine Kumpels sofort am kurzen Griff packt und mit mir stehen bleibt. Dann werden die freilaufenden Kumpel auch sofort von weitem schon angeleint. Wenn die dann angeleint sind, gehen wir noch ein Stück weiter, wenn wir näher dran sind muss ich mich an den Wegrand setzen und still sein. Wenn der Kumpel dann hinter uns ist, darf ich weiterlaufen, dann interessiert der mich auch schon nicht mehr. Die Sitterfrau bedankt sich dann bei dem anderen Menschen und alle sind freundlich mit einander. 

Die Sitterfrau fängt an zu begreifen, dass ich "fliegen" zwar toll finde, aber nur die kurzen Sprünge. Ich bin wohl nicht so sprungfreudig wie ihr BamBam das war. Darum hat sie die Übung angepasst. Kurze Abstände "fliege" ich, bei den langen Abständen darf ich runter auf den Boden und auf den nächsten Stein wieder rauf hoppen. So haben wir heute die ganze lange Reihe von Betonklötzern abgeflogen und wir hatten beide Spaß. Jetzt muss ich nur noch mehr Konzentration in die Übung bringen, denn wenn es zwischen den Klötzern irgendwie riecht, muss ich das erst abschnüffeln, bevor ich wieder auf den nächsten draufspringe. Da bin ich also noch nicht so wirklich bei der Sache, aber sie ist mit dem Erfolg schon ganz zufrieden.

Dannn wurde es ganz komisch und ich hab zuerst nicht verstanden, was da abging. Vor uns auf dem Weg hockte eine dicke, alte Frau auf Knien und Händen und bewegte sich nicht. Hinter der Frau kam ein Jogger gelaufen, joggte an der alten Frau und an uns vorbei und war weg. Sonst war keiner da. Die Sitterfrau fragte die alte Frau, ob sie gestürzt sei und Hilfe brauchte. Ja, brauchte sie, sie kam alleine nicht wieder hoch. Aber die Rettung rufen wollte sie nicht. Dann hat die Sitterfrau mich an einen Mast gebunden und mich da alleine glassen. Sie konnte aber mit ihrem einen gesunden Arm der Alten auch nicht hoch helfen. Es war aber eine ganze Weile niemand sonst da. Bis ein Radfahrer kam, den sie um Hilfe bitten konnte. Zu zweit haben sie die alte Frau hochgewuchtet und auf einen dicken Stein gesetzt, der direkt bei mir an dem Pfahl war.  Der Radfahrer fuhr weiter. Aber dann kam noch Carli, ein Nachbarshund der Sitterfrau, mit seinem Menschen. Der hat dann die alte Frau noch begleitet bis zum Parkplatz am Combibad, da stand ihr Auto, denn sie hat sich für den Weg dorthin noch zu unsicher gefühlt. Da hatten wir eine gute Tat getan und konnten beruhigt nach Hause gehen.

Ja, solche komsichen Sachen passieren, wenn ich mit der Sitterfrau unterwegs bin. 

Am Samstagnachmittag waren wir faul, denn es ist ziemlich warm geworden. Wir haben nur kleine Pieselrunden gedreht. Bei denen werde ich aber inzwischen auch viel lockerer als am Anfang mit der Sitterfrau. Ich finde inzwischen ganz viele Stellen, die ich gründlich abschnüffel und dann drüberschreibe: "Ich war auch hier und mein Geruch ist viel besser als deiner!" 

Zuhause durfte ich noch ein paar Klorollen öffnen und Leckerchen rausholen. 


Die restliche Zeit hab ich verschlafen. Schlafen kann ich jetzt auch viel besser hier. So feste, dass ich wild träume und im Schlaf belle. 

Die Sitterfrau freut sich, wenn ich nach dem Schlafen zu ihr gehe und mich ein bisschen von ihr knuddeln und kraulen lasse. Sie darf mich auch umarmen, das mag ich jetzt auch von ihr. 

Und zum guten Tagesschluss kam uns beim letzten Gassi Mops Muffin entgegen. Die Sitterfrau hat mich zwar kurz genommen und ist stehen geblieben mit mir, aber ich musste nicht sitzen. Das hab ich dann so verstanden, dass ich den Mops-Muffin mal eben zerreißen darf und bin mit Gebrüll in die Leine gesprungen. Puh, was ist sie da sauer geworden. Sie hat mich am Geschirr zurückgerissen und mich angeschnauzt "Lass das sein! Was soll das? Hä? WAS SOLL DAS?" Hab ich mich freiwillig hingesetzt und gewartet bis der Mops-Muffin weit genug weg war. 

Jezt ist der Tag zu Ende und ich schlaf schon mal. 

Sonntag! Ich weiß ja schon vom letzten Mal, dass sie Sonntage doof findet und nicht gerne raus geht. Außerdem ist es draußen ziemlich warm geworden. Also hat sie für uns beide beschlossen, dass wir faul sein müssen. Ich  auch! Na ja, die üblichen Gassis muss ich natürlich machen.

Beim Mittagsgassi hat es plötzlich so laut geknallt, dass ich wohl abgehauen wäre, wenn sie mich nicht an der Leine gehabt hätte. Sie blieb stehen und wollte, dass ich zu ihr komme.Hab ich auch gemacht und sie hat mir leise ins Ohr geflüstert, dass alles gut wäre und wir noch ein Stück langsam Gassi gehen könnten. Das mit dem langsam klappte nicht sofort, aber auf der großen Wiese am Sportplatz konnte ich mich schon wieder um die Pieselstellen der Kumpel kümmern und drüber schreiben. (Anmerkung der Sitterin: Jemand hatte den Deckel eines großen Abfallcontainers zufallen lassen.)

Sonntag ist langweilig. Wenn ich ausgeschlafen habe, bin ich immer zu ihr hingegangen und hab um Entertainment gebeten. Hab ich noch mal Klorollen bekommen oder durfte in der Wohnung Leckerchen suchen. Das war dann immer so anstrengend, dass ich anschließend wieder schlafen konnte. Die Sitterfrau hat auch geschlafen.

So vertrödeln wir den Tag.

Und dann geht plötzlich die Tür auf, wie beim letzten Mal, und Frauchen kommt rein. Ich hab mich ja fast überschlagen vor Freude und das Haus zusammengebellt.

Verabschieden? Nee, ist ja nicht nötig. Bin ja am nächsten Wochenende wieder hier. Komm jetzt nach Hause, Frauchen! Schnell!!