07 April 2024

Beau: Ich bin hin und her gerissen

 


Schon wieder war diese Sitterfrau da. Nein, nicht sie bei mir. Ich bei ihr. Frauchen ging einfach weg und kam auch nicht zurück, als es schon ganz dunkel war. Ich musste bei der Sitterfrau schlafen. 

Ich war sehr nervös. Der Sitterfrau war das aber ganz egal. Sie hat sich überhaupt nicht um mich gekümmert, außer wenn ich sie gefragt habe, was denn  los ist. Dann hat sie mir ganz ruhig erklärt: "Beau muss hier bleiben. Es ist alles gut. Du bist ein braver Beau." Das ich brav bin, weiß ich ja. Aber "hier bleiben" fand ich verstörend und es war längst noch nicht "alles gut". Ich musste horchen, ob mein Beau-Mobil kam, auf Schritte im Flur, auf jedes Geräusch. Ich war jede Minute "Aufpasser". Das war anstrengend. Irgendwann hab ich aber mein Abendessen gegessen und mir danach einen Liegeplatz ausgesucht, bei dem ich die Wohnungstür im Blick hatte. Mit dem Wissen, dass ich Frauchen nicht verpassen kann, wenn sie kommt, konnte ich dann eine Weile liegenbleiben und Ruhe geben. 

Irgendwann musste die Sitterfrau nach draußen und hat mich mitgenommen. "Hurra!" dachte ich, "jetzt ist Frauchen mit dem Beau-Mobil unten und nimmt mich wieder mit." Die Sitterfrau hat dabei gelernt, dass ich mächtig ziehen kann. Aber unten war kein Frauchen. OK, dann vielleicht auf der kleinen Wiese beim Hochhaus? Hab ich die Frau dorthingezogen. Kein Frauchen da. Die Sitterfrau hat mir einige Vorschläge gemacht, wo ich Frauchen noch suchen könnte, und ist mir mir hier hin und da hin, aber ich hab sie nirgends gefunden und nach einer Weile die Sitterfrau wieder nach Hause gezogen. Was, wenn Frauchen in der Zwischenzeit dort angekommen ist und ich bin nicht da? Himmel, das geht gar nicht.

Die Enttäuschung war groß, als wir wieder in der Wohnung waren. Ich musste weiter warten und die Stunden zogen sich hin, bis wir dann mitten im Dunkeln noch mal raus gegangen sind. Da konnte ich dann wenigstens mein Pipi rauslassen. 

Wieder in der Wohnung sagte die Sitterfrau wieder: "Beau muss hierbleiben. Wir gehen jetzt schlafen." Legt sie sich auf ihren Schlafplatz, macht alles Licht aus und bleibt da liegen. 

Was will man da als Hund noch graßartig machen? Randale? Nein, das ist nicht mein Ding. Ich habs schweigend ausgehalten. Mal unterm Tisch, mal neben ihrem Bett, mal auf dem Balkon, mal auf ihrem Bett bei ihren Füßen.

 
Irgendwann in der Nacht wurde sie wach, weil ich mal wieder aufs Bett gesprungen bin. "Ja, ok, mach Platz", sagte sie. "Nein, sagte ich, ich bin sooo unruhig, darf ich vor deinem Bauch liegen?" Kein Problem. So lagen wir dann da, Löffelchen, sie hatte einen Arm um mich rum und merkte, dass ich nicht nur nervös hechelte und ein bisschen speichelte, sondern auch zitterte. Hat sie den anderen Arm auch noch um mich rum gemacht und mir ganz leise ins Ohr geflüstert, dass alles gut sei und ich ein braver Beau wäre. Nach ein paar Minuten ging das Zittern weg, ich konnte den Kopf hinlegen und so lagen wir da bis wir eingeschlafen waren und mir nach einer Weile wieder zu warm war. Irgendwann war die Nacht vorüber und es wurde draußen wieder hell. 

Die Sitterfrau steht nicht gerne früh auf, das steht fest. Aber da sie nicht weiß, ob meine Blase drückt und wie doll, haben wir das wieder so gemacht: schnell mal eben raus, Pipi machen und dann später in den Wald.

"OK," hab ich gesagt, "ich weiß ja, dass ich noch warten muss, dass Frauchen nicht da ist, auch nicht auf dem Hof. Ich zieh dich nicht mehr!" Das fand sie einen ganz tollen Fortschritt. 



Später dann im Wald hab ich ihr gezeigt, was Frauchen meint mit Randale bei anderen Hunden. Der Erste, der sich auf den Weg zu mir machte, war ein Golden Retriever, aber noch jung. Die Sitterfrau rief der jungen Frau die bei dem war zu: "Halten Sie ihn bitte weg, meiner hat Würmer." Da wurde die junge Frau ganz schnell und entschied, dass der Goldige einen anderen Weg einschlagen solle.

Der nächste war ein winziges Chihuahua-Gerippe aus Haut und Knochen. Der war an der Leine und musste an uns vorbei. Mir war der eigentlich Wurscht bis der neben mir war und anfing, mich wüst zu beschimpfe und zu bedrohen. Da musste ich ihm natürlich sagen, dass ich keine Knochen mit Haut essen mag und außerdem schon gefrühstückt hätte. Das fand die Sitterfrau nicht ok und mischte sich ein: "Beau! NEIN! LASS DAS!" Ok, ist gut, der war ja eh weg.

Aller guten Dinge sind aber Drei. Kam so ein Beagle-Mops-Ding auf mich zugelaufen. Die Leute von dem waren aber grad mit sich selbst beschäftigt. "DAS ist nicht gut!" sagte die Sitterfrau deutlich. War dem Mops-Ding egal, der kam bis vor meine Schnauze. Dass ich geknurrt habe, war dem auch egal. Hab ich ihm laut in die Ohren gebrüllt: "Mach dich weg du kleiner aufdringlicher Scheißer!" Die Sitterfrau wieder: "Meiner will das nicht und der hat Würmer!" Zack wurde das Mops-Ding abgeholt und die Leute meinten, Frauchen könne in einem anderen Ton mit ihnen sprechen. Ach ja? Warum denn?

Natürlich haben wir im Wald auch Suchspiele gemacht, wenn wir alleine waren. Wo die Sitterfrau ist, ist irgendwie auch immer Fleischwurst. 

Die Sitterfrau hat keine Angst, dass wir Probleme mit anderen Hunden kriegen. Sie kann mich halten. Wem sie aber nicht vertraut: meinem Halsband! Da hätte ich spielend rausgekonnt, wenn ich gewollt hätte. Hab ich aber leider nicht dran gedacht, die Chance zu nutzen.

Zuhause hat sie mir dann was angezogen, was ihrem BamBam gehört hat. "Ey, das passt dir, wie angegossen." Ich fands schick und bin mit ihr eine Proberunde durch die Wohnung spaziert. "Das kannst du dann immer anziehen, wenn du bei mir bist." Wie findet ihr das? Gelb steht mir doch gut, oder?

 
Am Nachmittag kam Conny zu Besuch. Die hat auch fantastisch duftende Jackentaschen. Ich war bei denen auf dem Balkon und hab die Gegend gecheckt.

Beim nächsten Gassi musste ich schon wieder was Neues machen. Da war ein Tor, das sich drehte. Ich bin halb oben halb unten durch und war auf der anderen Seite. Schneller als die Sitterfrau hinterher kam. Aber die kann das eh perfekt. 

Danach hat es plötzlich geschellt, die Tür ging auf und da war Frauchen. Ich musste aufpassen, dass ich sie vor Freude nicht umschmeiße. Die Sitterfrau hat erzählt und Frauchen war froh, dass es trotz der Stressphasen zwischendurch doch letztendlich alles geklappt hat und positiv verlaufen ist. Ich bin gelobt worden, ich sei ein toller Hund. Ein braver Beau und noch vieles mehr. 

Am Ende sollte ich mich von der Sitterfrau verabschieden, aber dazu hatte ich dann doch keine Zeit mehr. Ich wollte jetzt einfach nur noch mit Frauchen nach Hause. Aber bald muss ich schon wieder bei der Sitterfrau sein, haben sie besprochen. Und dann mal richtig lange. Sie sagen beide, dass ich das schaffe. 

Ich bin halt hin und hergerissen, wenn ich bei der Frau bin. Ich finde sie toll, ich vertraue ihr, wenn ich Stress habe, aber die Sorge, dass Frauchen mich am Ende doch nicht abholen könnte, macht mich noch ziemlich wuschig.

Anmerkung der Sitterfrau:
Beau ist mit fast allen Hunden im Freilauf sehr verträglich. An der Leine aber eher nicht. ICH werde ihn aber immer nur an der Leine haben. Kein Freilauf, wenn er bei mir ist, aus Sicherheitsgründen. Und da ich keine Lust habe, bei jedem dahergelaufenen Tutnix die Verträglichkeit zu testen, wird Beau und jeder andere Hund bei mir irgendeine Krankheit haben: Flöhe, Würmer, Husten - Hauptsache ansteckend und die Halter sammeln ihr Tier schnellstmöglich ein und lassen uns in Ruhe. Mein Sittermarkenzeichen soll dann von mir aus sein, dass ich vorwiegend ansteckende Hunde sitte. 😂 Die müssen ja schließlich auch mal raus, ne?!


 

 


 


 

 


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